Vorwort

Michael Tausch

Liebe Freundinnen und Freunde des Passauer Konzertwinters!

Mei­ner Mei­nung nach ist es wich­tig, ja lebens­wich­tig, dass sich alle Leu­te mit Kunst beschäf­ti­gen. Der Grund, war­um einem das eine oder ande­re Kunst­werk gefällt, ist oft schwer zu nen­nen. Wenn man über ein Werk etwas weiß, dann ist der Zugang leich­ter.”
(Niko­laus Har­non­court)

Mag Letz­te­res leicht ein­leuch­ten, so bedeu­tet der rigo­ro­se Anspruch des ers­ten Sat­zes eine fun­da­men­ta­le Her­aus­for­de­rung mit zahl­rei­chen Kon­se­quen­zen. Niko­laus Har­non­court äußert sich hier nicht nur als Musi­ker, son­dern als weit­sich­ti­ger Erzie­her und Leh­rer, den die Grund­fra­gen des Mensch­seins umtrei­ben. Immer wie­der hat er dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kunst und spe­zi­ell die Musik ganz wesent­lich zum Men­schen gehö­ren, ihn her­aus­he­ben und aus­zeich­nen unter allen Geschöp­fen. Sicher tun wir gut dar­an, uns die­ser beson­de­ren Bega­bung immer wie­der bewusst zu wer­den, gera­de in einer Zeit, in der der Mensch oft genug an sich selbst ver­zwei­felt. Viel­leicht bedeu­tet eine mul­ti­me­di­al auf­ge­la­de­ne Welt mit all ihren Ver­net­zun­gen und Ver­füg­bar­kei­ten für die Ver­mitt­lung von Kul­tur eine noch nie dage­we­se­ne Chan­ce und Hil­fe für die Mensch­heit. Immer aber soll­te das Ver­hält­nis zur Kunst, das Bewusst­sein für ein exis­ten­zi­el­les Bedürf­nis danach, das Rin­gen um das Ver­ste­hen und die Wahr­neh­mung des unschätz­ba­ren Wer­tes im Kern erhal­ten blei­ben.

Musik ist, auch wenn wir gelernt haben, sie in einem Schrift­bild und zuletzt sogar in ihrer Klang­lich­keit fest­zu­hal­ten, eigent­lich eine Kunst in der Zeit und als sol­che der Ver­gäng­lich­keit unter­wor­fen. In dem Sin­ne näm­lich, dass jeder ver­klun­ge­ne Ton im Grun­de ein klei­nes Abschied­neh­men, jedes Ende eines Stü­ckes ein klei­ner Tod ist. Und so wird klar, wie unend­lich kost­bar das Geschenk eines Kon­zert­er­leb­nis­ses ist, wie sehr man sich besee­len las­sen kann und wie gleich­nis­haft die­se Vor­gän­ge in ihrer Unwie­der­hol­bar­keit und mensch­li­chen Bedingt­heit sind. Wie der Pil­ger ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te nach einer mühe­vol­len Rei­se vor der Fas­sa­de der Kathe­dra­le von Char­tres stand und staun­te, wohl wis­send um die Ein­ma­lig­keit die­ses Erleb­nis­ses, so mögen uns – ob als Aus­füh­ren­de oder Zuhö­rer — die Meis­ter­wer­ke der Musik­ge­schich­te immer wie­der ähn­lich unmit­tel­bar mit Wucht tref­fen und tief bewe­gen sowie auf dem Lebens­weg zu wert­vol­len Beglei­tern wer­den.

Wie schön, dass unse­re Kon­zert­rei­he bis­her sol­che Erleb­nis­se in gro­ßer Viel­falt anbie­ten und ver­mit­teln konn­te . Auch für die Sai­son 2018/19 kön­nen wir ein attrak­ti­ves Ange­bot bereit­stel­len, das voka­le Kunst leben­dig und greif­bar macht. Wir ver­las­sen dabei erst­mals das Ter­rain der Vokal­mu­sik, um einem begna­de­ten Pup­pen­spie­ler das Wort zu geben, kön­nen uns dar­über hin­aus erneut auf hoch­klas­si­ge Ensem­bles freu­en und wer­den in eige­nen Bei­trä­gen Ein­blick in die offe­ne Arbeit der Chö­re der Gesell­schaft der Musik­freun­de geben. Klei­ne Denk­an­stö­ße zu den Kon­zer­ten hier in der Bro­schü­re, in den Pro­gramm­hef­ten oder als kur­ze Werk­ein­füh­run­gen mögen den Zugang zu den ein­zel­nen Bei­trä­gen im Sin­ne Har­non­courts erleich­tern. Wün­schen wir den Kon­zer­ten vie­le Besu­cher, denn noch ein­mal: es ist wich­tig, ja lebens­wich­tig, sich mit Kunst zu beschäf­ti­gen!

Mit herz­li­chen Grü­ßen

Micha­el Tausch
Künst­le­ri­scher Lei­ter